DER KOPF DES GANZEN

Das Büro – sein Zuhause.
Die Projekte – seine Nahrung.
Die Mitarbeiter – seine Familie.

Das Leben – eine einzige Inszenierung.

Ich – ein kleines Licht in der Bühnenbeleuchtung.
Funktionsfähig auf Knopfdruck.
Den anderen Lichtern gleichgeschaltet.

Das heißt: Brennen für die Sache.

Brennen
Bis du verglühst.

Die Asche?

Auf sein Haupt.

SCHWINDELERREGENDE ERFOLGE

Alles dreht sich

bei ihnen

um Erfolg
um Kontakte
um Reputation

um sich selbst.

Übel könnt’s einem werden.

NACH DER AUSSTELLUNG

Sie haben nichts gesagt. Nur geschaut. Zwei unter keinen an diesem Samstag im Dezember. Viel Spaß, nein, viel Spaße wolle er ihnen nicht wünschen, hatte der Mann an der Kasse gesagt. Den beiden, die das Glück der späten Geburt hatten. Späte Zeugen der Demütigungen und Grausamkeiten, derer sich die Eltern und Großeltern schuldig gemacht hatten und die nun gepixelt vorüberziehen und unter Glas gegen das Vergessen kämpfen. Bittbriefe, Ausreiseanträge, Gnadengesuche voller Glauben an Menschlichkeit in einem System geschaffen von Kreaturen, außen Mensch, innen...Das Wort müsste noch erfunden werden. Aber vielleicht genügt ein Wort nicht, vielleicht müssen es so viele sein wie Tote. Weil sie sonst nicht reichen, um das Unaussprechliche aussprechbar zu machen. So deutlich, dass es gehört wird. Von den Mitläufern, den Duckern, den Gleichgültigen. Die nie aufhören werden zu sein und an diesem Samstag einer von keinen sind. Die beiden Spätgeborenen schauen oft lange – und allein. Kriechen hinein in die Fotos und Schriftstücke auf der Suche nach Überlebenden und Mutigen. Um sie in der tauben Masse zu erkennen. Nachher. Draußen. Wenn die Ausstellung schließt und das Leben einfach weiter geht – als wäre nichts geschehen.

TSCHÜSS HELMUT

Ich denk’ an dich

wenn

sich die Meinung dreht
das Gewissen verstummt
die Unwissenheit spricht

Ich denk an dich

wenn

das Wohl der Macht geopfert wird
die Partei über die Überzeugung siegt
das Handeln dem Harren weicht

Ich denk an dich

wenn

das Urteil harsch
die Luft zum Schneiden dick
und die Kunstpause  einen Atemzug lang ist.

Ich denke.

An das

was du sagst

wenn

ich dich einfach duze.

DER EGOIST

Du plus ich
macht
 
Uns?
 
Falsch.
Dich.

EISZEIT

Wenn alles
nicht so wäre wie es wäre
dann
würde ich Dich zerküssen
Deinen Anisgeschmack
auf meinen Lippen verewigen
mit Deiner sanften Stimme
meine Flimmerhärchen zum Tanzen bringen
mir wünschen, dass Du
Deine Augen schließt
damit
Deine Hände besser sehen
und Dein Herz besser hört
auf das, was
mein Gefühl Dir flüstert.
 
Wenn alles
nicht so wäre wie es wäre
dann
würde ich Dich wegbringen
vom Zweifelszelt
in mein Haus der Gewissheit
wo Du direkt aus dem Bett
auf die Zukunft sehen kannst, die
am Horizont dämmert
und
den Tag verspricht, an dem Du
die Ewigkeit
teilst
in Augenblicke,
die wir uns zuwerfen.
 
Wenn alles
nicht so wäre wie es wäre
dann
würde ich alles nehmen,
was Du mir gibst
meine Liebe damit satt füttern
und meinen Verstand ertränken
Und den Rest
würde ich
an die Toten verteilen
die gierig
das Blut des Lebens lecken
das jetzt für mich
und Dich
noch einmal beginnt.
 
Wenn alles
nicht so wäre wie es wäre
dann
würde die Fantasie zusammenbrechen
unter der Wirklichkeit
und die Träume würden verwelken
gleichsam unserer Haut
unter der das Leben schlummert
eingefroren in
das Packeis der Gewohnheit
das uns überdauert
bis
der Traum
aufhört zu sein. 

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